Artefakt #1
Neue Infrastruktur?
Where to go?
Spekulative
Zukünfte

Weil wir Neues lieber selber erleben und verstehen wollen, statt nur darüber zu reden, setzen wir uns im 6-Monats-Rhytmus mit relevanten Trends und Zukunftskonzepten auseinander. In den kommenden sechs Monaten wollen wir uns nun unter der Headline »Where to go?« mit »spekulativen Zukünfte zur autonomen Mobilität« beschäftigen.
Spekulatives Design
und Zukunftsartefakte
Spekulatives Design ist ein experimenteller Designansatz, mit dem alternative Zukünfte skizziert werden können. Die Basis für diese Zukunftsbilder sind Forschung, neue Technologien oder gesellschaftliche Entwicklungen. Die daraus entstehende Zukunft ist ungewiss – und Spekulatives Design adressiert diese Ungewissheit mit »Zukunftsartefakten«, die Diskussionen anregen und provozieren. Auf diese Art werden unsere Entscheidungen und Debatten der Gegenwart beeinflusst, aus denen wiederum unsere Zukünfte entspringen.
Anhand des Themenfelds »Autonome Mobilität« erforschen wir beispielhaft die Eignung dieses Designansatzes für unsere Innovationsarbeit in den Bereichen Design Thinking, Future Foresight und User Research. In Zusammenarbeit mit Gestalter_innen entwickeln wir Zukunftsartefakte, die Aspekte des Themas »Autonome Mobilität« jenseits der Status-Quo-Debatten beleuchten und zur Diskussion stellen. Diese Artefakte nutzen wir dann für einen User-Research-Prozess, der uns ein besseres Verständnis zukünftiger Nutzerbedürfnisse ermöglicht. Das Ergebnis: in einem ko-kreativen Prozess reflektieren, entwickeln und gestalten wir wünschbare Zukünfte mit Organisationen und deren Nutzern.

Moving Parts – Infrastruktur einer Stadt des Morgen
Unser erstes spekulatives Artefakt ist in Zusammenarbeit mit Bernd Hopfengärtner entstanden. Mit »Moving Parts« zeichnet er ein Zukunftsbild, das die gesamte Infrastruktur einer Stadt in Frage stellt und bei Null neu anfängt. Moving Parts erzeugt das Bild einer Zukunft, in der die Beziehung von Raum und Zeit neu definiert wird und ein Alltag entsteht, der komplett anderen Gesetzen folgt als bisher.
Das ultimative Ziel des autonomen Fahrens ist das Ende des Unterwegsseins: Fahrzeiten sollen so kurz wie möglich sein und letztendlich gar nicht mehr als Fahrzeit wahrgenommen werden. Die radikalste Variante dieser Idee findet sich in Konzeptstudien aus einer Zusammenarbeit des Autobauers Toyota und dem Designbüro IDEO: Selbstfahrende Raumzellen – von Büros bis zu Kung-Fu-Studios – ganze Räume des Alltags und der Arbeit sind hier mobil. In dieser Vision wird der scheinbar unvermeidbare Zusammenhang von Zeit und Raum aufgelöst, denn die Bewegung durch den Raum wird ersetzt von der Bewegung im Raum. Der Weg wird das Ziel, denn das Ziel ist schon auf dem Weg erreicht. Dies ist der Traum von Logistikern. Ein zukunftsweisendes Patent von Amazon lässt Waren an Orte liefern, an denen statistisch gesehen bald die größte Nachfrage bestehen wird – wenn die Bestellung eingeht, sind die Waren schon so gut wie am Ziel.
Das Gedankenexperiment kombiniert beide Themenfelder zu einer Zukunftsvision, in der Städte vollständig mobilisiert sein werden - jeder Bestandteil der Stadt ist ständig in Bewegung und verändert fortlaufend seine Position, um zu jedem Zeitpunkt dort zu sein, wo er den Bedürfnissen der Bewohner am nächsten ist. Wir fragen uns: Wie würde unser Leben in einer solchen Stadt aussehen? Das Projekt soll diese Fragen nach der Zukunft des autonomen Fahrens beantworten.
Hier geht es zur Videodokumentation.

Artefakt #2
Neue Heimwege?
Dictyo Home – ein spekulatives Designartefakt
Unser zweites Artefakt »Dictyo Home« bezieht sich auf die im ersten Artefakt »Moving Parts« gezeichnete Welt, in der Städte vollständig autonom mobilisiert sind. Abgeleitet aus den Reaktionen des ersten User Researchs, geht »Dictyo Home« auf die Frage ein, wie Kinder in einer sich permanent bewegenden Stadt den Weg nach Hause finden können.
Das zweite Artefakt beschreibt ein System, das Kindern einen sicheren Heimweg ermöglicht. Gedanklich ist das Artefakt an die Funktionsweise der menschlichen Zelle angelehnt. Das Dictyosom ist ein Zell-Organell, das den Stofftransport innerhalb der Zelle steuert, indem sich Membran-umschlossene Kugeln abschnüren und zu den vorhergesehenen Bereichen der Zelle bringt. Betrachtet man die mobilisierte Stadt selber als Zelle, so kann dieses System adaptiert werden. Mit Hilfe der eigenen Dictyosom-Struktur können Kinder die Vesikel-Vehikel betreten, durch sie anschließend autonom nach Hause transportiert werden. Die eigene Zellphysiologie wir dabei zu Schlüssel und Fahrkarte gleichzeitig.
Das Artefakt »Dictyo Home« gibt somit eine Antwort auf die Frage, wie Kinder in einer sich permanent bewegenden Stadt den Weg nach Hause finden können. Gleichzeitig bilden sich zwei Pole zwischen Sicherheit und Isolation aus. Kann sich Mobilität unnatürlich anfühlen, wenn sie auf einem biologischen Konzept beruht?

Artefakt #3
Neue Sinne?
Next Senses – Magnetizer & Sniffer
Nach dem ersten Zukunftsbild »Moving Parts«, das eine Stadt in stetiger Rekonfiguration zeigt, führte unser User Research im Spekulativen Design und Future Foresight-Projekt »Where to go?« zum Artefakt »Dictio Home«. »Dictio Home« gibt eine Antwort auf die Frage, wie Kinder in einer sich permanent bewegenden Stadt den Weg nach Hause finden können. Dabei bildeten sich zwei Pole zwischen Sicherheit und Isolation. In unserem zweiten User Research fragten wir deshalb unsere Teilnehmer, ob sich Mobilität unnatürlich anfühlen kann, wenn sie auf einem biologischen Konzept beruht. Antworten darauf zeigten, dass weniger über die Sicherheit als über den psychischen Zustand des Kindes diskutiert wurde. Kindern (wie auch Erwachsenen) fehlte es an Orientierung. Generell fühlten sich die meisten Testpersonen verwirrt in einer sich konstant neu konfigurierenden Stadt. Die Kontrolle einer »autonomen Maschine« zu übergeben, hinterließ häufig ein unwohles Gefühl. Um diese Gedanken weiter zu untersuchen, beschäftigten wir uns im dritten Artefakt mit der Frage:
»Wie können wir in einer automatisierten, technologisierten Umwelt ein Gefühl von Orientierung und Kontrolle bewahren oder zurückgewinnen?«
Technologien verändern unsere Umwelt drastisch, aber die Möglichkeiten der körpereigenen Wahrnehmung bleiben gleich. Unsere Sinne verbinden uns mit Menschen, Emotionen und mit der Welt um uns herum. Sie determinieren unser Befinden entscheidend. Deswegen richteten wir unseren Fokus im dritten Artefakt auf die Rückgewinnung von Kontrolle und das Gefühl von Orientierung in einer Welt der autonomen Mobilität. Die beiden entstandenen Artefakte hinterfragen die Erweiterung der menschlichen Sinne. Was wäre wenn wir unsere Lebenswelt auf anderer Ebene wahrnehmen könnten?
»Sniffer« ist ein spekulatives Design-Objekt das die Geruchswahrnehmung des Menschen grundlegend verändert. Durch seinen speziellen Geruchssensor ermöglicht er es uns schwächste Gerüche zu verstärken und einen so starken Geruchssinn aufzubauen, wie Tiere, z. B. Hunde, ihn haben. Außerdem können wir selektieren, welche Gerüche wir wahrnehmen wollen. Zusätzlich hat der Sniffer eine Art »Erinnerungsfunktion«, mit der wir bereits wahrgenommene Gerüche zur Orientierung benutzen können. Wir können nun dem Duftpfad zu unserem Arbeitsplatz oder einer uns bekannten bzw. nah stehenden Person folgen. Wir updaten unsere Sinne für ein neues Zeitalter und lernen eine neue Ebene der Wahrnehmung und Orientierung kennen.
Im Falle des »Magnetizers« wird dem Träger durch ein eng am Körper anliegendes Wearable der magnetische Norden durch einen Wärmereiz signalisiert. Ein für den Menschen bisher vorenthaltener Sinn wird ihm nun von Außen zugetragen. Er erfühlt seine Orientierung.

Wie Spekulatives Design und das Fischen nach Bedürfnissen von Morgen auch in euren Kontexten funktioniert und angewendet werden kann, findet ihr in unserer Broschüre.
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Neues aus dem Labor
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Ein Speculative Design/Futures Thinking-Workshop vom Berliner Ideenlabor auf der re;publica.
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